Samstag 30. Mai 2015

Einmal auf Tuchfühlung mit der Natur

Von: Von Martina Pachernegg

© Martina Pachernegg

Sich in der Natur zurecht zu finden, haben 22 Schüler bei ihrer Projektwoche gelernt. Jetzt können sie sogar selbst ein Feuer entfachen.


Voller Tatendrang sitzen 22 Volksschulkinder in einem Sitzkreis auf einer Wiese im Naturschutzzentrum Bruck. Unruhig schauen sie zu Wald- und Wildnispädagogin Veronika Knittel von „Wildnisschule Wildniswissen“ und warten darauf, was Spannendes auf sie zukommt. „Der Vormittag ist unser Feuertag. Wir werden Tipi-Feuer entfachen“, erzählt Knittel und macht die Schüler damit noch neugieriger.

Im Rahmen der Projektwoche verbringen die Schüler drei Tage im Naturschutzzentrum und lernen von Knittel allerhand über die Natur. Langsam steht Knittel auf, stellt sich in die Mitte des Sitzkreises und breitet ihre Arme aus. „Stellt euch vor, ich bin ein Baum. Wenn neben mir jetzt ein Feuer brennt, worauf muss geachtet werden?“, fragt Knittel. Rasch sind die wichtigsten Punkte für das Machen eines Feuers aufgezählt. Auf den Wind, die Wiese, die Tiere und das Brenngut muss geachtet werden. „Falls Äste eines Baumes Feuer fangen, kann das Böse ausgehen, oder unbedachte Menschen können einfach so ein Feuer im Wald entfachen. Wir sind stets verantwortlich für unser Handeln“, redet sie den Kindern ins Gewissen.

Dann ist es endlich so weit. Die neun Burschen und 13 Mädchen werden losgeschickt, um Steine und trockene Reisigzweige in der Umgebung zu suchen. Nach wenigen Minuten kommen die ersten Schüler zurück und beginnen sofort mit dem Bau ihres Begrenzungssteinkreises in der Wiese. „Man muss die Schüler neugierig machen. Das gelingt gut, wenn ich ihnen erkläre, dass es notwendig ist, gewisse Dinge zu können“, sagt Knittel. In diesem Fall müssen die Schüler lernen, wie sie selbstständig ein Feuer zustande bringen, um am Abend auch das Lagerfeuer zustande zu bringen.
Rasch legen die Schüler ein Stück trockene Birkenrinde in die Mitte des Kreises und legen kleine Reisigzweige darüber. Die dickeren Zweige werden darum drapiert, bis ein kleines Zelt entsteht. „Jetzt müssen wir noch schauen, wo der Wind herkommt. Dort bleibt eine Öffnung in unserem Zelt, um es anzuzünden zu können“, sagt Knittel. Während einige Schüler diskutieren, aus welcher Richtung der Wind nun wirklich kommt, streckt Schülerin Viki einen Finder in die Luft und ist sich sicher: „Er kommt von Osten.“ Mit diesem Wissen kann das Tipi-Feuer fertiggebaut werden und der heiß ersehnte Moment steht bevor: das Anzünden.
Alle Schüler versammeln sich um einen Steinkreis. Er wird ganz still, als Knittel das Feuer mit einem Streichholz entfacht. „Wir haben es geschafft. Es brennt“, jubelt Viki in die Menge.